Von Christian Höller
Was dürfen TeilnehmerInnen einer Regenbogenparade in Osteuropa auf keinen Fall vergessen? Eine Zitrone. Kommt es zu einem Tränengaseinsatz, sollte man sich den Zitronensaft in die Augen reiben. Spätestens hier wurde mir ein wenig mulmig zumute. Eine Stunde lang dauerte die Sicherheitsbesprechung durch Vertreter von Amnesty Ungarn und dem Amnesty EU-Office in Brüssel. Detailliert wurde uns erklärt, was wir tun müssen, falls es während der Parade zu gewalttätigen Ausschreitungen kommt und eine Evakuierung notwendig ist. Bevor wir los marschierten, erhielten alle TeilnehmerInnen ein Plastiksackerl mit einer halben Zitrone.
AkivistInnen aus ganz Europa
Rigoroser Polizeieinsatz
In Budapest dagegen wagten sich nur 1500 TeilnehmerInnen auf die Straße. Hundertschaften von PolizistInnen in Kampfausrüstung und mit Hunden riegelten die fünf Kilometer lange Strecke in der Innenstadt hermetisch ab. Alle Nebenstraßen waren mit Gittern abgesperrt. Schwule und Lesben, die zu spät kamen, wurde von der Polizei nicht mehr durchgelassen. Wegen der rigorosen Sicherheitsmaßnahmen standen nur wenige ZuseherInnen am Straßenrand. Die meisten verfolgten mit eiserner Miene das Geschehen. Hin und wieder gab es doch Applaus. Als etwa hundert RechtextremistInnen am zentralen Verkehrsknotenpunkt Oktogon die Polizeiabsperrungen durchbrechen wollten, setzten die BeamtInnen Pfefferspray gegen sie ein. Kurzfristig musste die Route der Parade geändert werden, um eine Konfrontation mit den GegendemonstrantInnen zu vermeiden. Die PolizistInnen wurden von den RechtsextremistInnen daraufhin mit Steinen und Glasflaschen beworfen. Doch ansonsten blieb es friedlich.
Amnesty lässt sich nicht einschüchtern
Andere AktivstInnen wurden attackiert
Während wir am Abend problemlos nach Wien zurückkehrte, gab es für eine andere Gruppe von 50 AktivistInnen der Österreichischen Hochschülerschaft ein trauriges Nachspiel. Diese wurden nach der Parade von RechtsextremistInnen gewalttätig angegriffen und flüchteten in ihren Bus. Nach Eintreffen der Polizei hätten die GegnerInnen die Sachlage jedoch umgekehrt geschildert und behauptet, sie seien selbst attackiert worden, sagte eine ÖH-Sprecherin. Daraufhin wurden die ÖsterreicherInnen von der Polizei aus dem Bus herausgezerrt, zwei Frauen wurden festgenommen. Die Polizei ließ sie erst in den frühen Morgenstunden des Sonntags frei.
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